Logenhaus

Das Logenhaus der Johannisloge „Ferdinand zum roten Adler“ in Neuruppin wurde 1788, nach dem großen Stadtbrand vom 26. August 1787, in der damaligen Heinrichstraße (jetzt Rudolf-Breitscheid-Str.) Nr. 16 als Wohnhaus erbaut und gehörte dem Hauptmann a.D. Friedrich Wilhelm Ludwig von dem Knesebeck.

Logenhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße 16

Das Logenhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße 16.

Am 22. Februar 1815 beschloss man den Ankauf des o.g. Gebäudes für den Preis von 3800 Talern, da die alten Logenräume im Haus des Bürgermeisters zu klein wurden. Die Umbaukosten beliefen sich auf rund 400 Taler. Infolge verschiedener widriger Umstände, von denen die Bürokratie wohl die wichtigste war, dauerte aber die Eintragung ins Grundbuch 12 Jahre.
1825 ersuchte das Offizierskorps des Neuruppiner 24. Inf.-Regiments, die Logenräume mit zu nutzen. Auf Anraten des Bundesdirektoriums wurde dem aber nicht stattgegeben.
1835 wurden einige Arbeiten am „Arbeitssaal“ und am Speisesaal durchgeführt.
1837 wurden wöchentlich einmal Räume einem Schachklub einige Zeit zur Nutzung überlassen. Immer wieder wurden Unterhaltungsarbeiten an Haus und Garten notwendig. Bemerkenswert ist, dass von der Gartenseite aus im Anfang noch der See zu sehen war, da außerhalb der neuen Stadtmauer noch keine Gebäude standen.

Eingang zum Logenhaus

Eingang zum Logenhaus

Um die Geselligkeit zu fördern, wurde 1845 eine Kegelbahn errichtet, 1873 und 1889 ein Billard angeschafft. Bereits seit 1838 stand ein Mahagoniflügel zur Verfügung, ab 1875 ein Pianino.
1864 wurde Gasbeleuchtung eingeführt, 1899 auch im Speisesaal und 1901 im Arbeitssaal.
1883 wurde die Toreinfahrt an der Ostseite beseitigt, d.h. überbaut. Der Raum darüber wurde Teil des neuen kleinen Saals, des Meistertempels. Um diesem die nötige Höhe zu geben wurde mittels eines Hängewerkes die Decke angehoben.
1896 erfolgte der Anschluss an die Wasserleitung.

1910 wurden größere Veränderungen am Gebäude begonnen. Küche und Waschküche wurden in das Kellergeschoss verlegt, Garderoben- und Toilettenräume neu eingerichtet, das Gebäude an die Kanalisation angeschlossen. Dazu musste die Treppe umgelegt werden.
Das 100jährige Stiftungsfest wurde in den neugestalteten Räumen gefeiert.
Über die nächsten Jahrzehnte war wenig zu ermitteln. Um der drohenden Enteignung zu entgehen, wurde das Haus 1934 der Ruppinschen Eisenbahn AG verkauft, deren Direktor Hochstätter auch der Meister vom Stuhl war.
1935 bezog die SA das Grundstück als sogenanntes Kameradschaftshaus und warf die noch im Gebäude befindlichen Gegenstände aus den Fenstern. Als der unselige Krieg immer mehr Opfer forderte, diente das Haus als Lazarett.
Später nach dem Krieg sah man als geeignetste Nutzung die als „Gesellschaftshaus“. Junge Leute gingen abends dorthin und tanzten in 3 Räumen.
1946 wurde das Haus in Baudokumenten als SPD-Haus bezeichnet und an die neue Nutzung durch Umbauten im Obergeschoss angepasst.

Schließlich fand das Haus eine Bestimmung, die unserer Leitidee „Humanität“ am meisten gerecht wurde. Im Kinderheim „Hans Beimler“ hörte man nun fröhliches Kinderlachen. Immer wieder fanden kleinere und größere Umbauten statt.  1976 wurde z.B. an einem Kelleranbau gearbeitet.

Türbogen mit Freimaurersymbol

Türbogen mit Freimaurersymbol

Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm der Kreisverband des „Deutschen Roten Kreuzes“ die Trägerschaft. Nach der Rückübertragung des Grundstückes und Überführung in die gemeinnützige „Weltkugel-Stiftung“ schloss diese einen Erbpachtvertrag mit dem Deutschen Roten Kreuz, das sich für den hervorragenden Zustand des Hauses verantwortlich zeichnet.

Seit 2001 ist das Haus auch Heimstatt der wiedereröffneten Johannisloge Ferdinand zum roten Adler, Tochterloge der Großen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln im Verband der Vereinigten Großloge von Deutschland – Bruderschaft der Freimaurer.

Rolf Dossmann